Musik und Masse
Rekordverdächtiger Andrang beim Bardentreffen.
„Einfach schieben lassen, anders geht’s nicht“. Harald Kerner aus Treuchtlingen hatte den richtigen Tipp, wie man beim Bardentreffen am besten vorwärtskommt. So voll wie selten zuvor waren die Altstadtgassen am Wochenende, als über 120 000 Musikbegeisterte quer durch Nürnberg bummelten. Am Samstag Nachmittag noch mit dicken Schnäppchen-Tüten bepackt, später sichtlich routiniert mit Klappstühlchen oder Bastmatte, Sonnenhut und gelb angestrichenem Programmheft, machten sich die Barden-Bummler auf zum Melodien-Marathon.
Wer zielstrebig vom Burggraben zum neuen Spielort im K 4-Garten eilen wollte, wurde schnell gebremst: Alle paar Meter lockten Straßenmusiker, Puppenspieler und Jongleure, hier ein irischer Songwriter, da ein Balalaika-Trio aus der Ukraine, und an der nächsten Ecke eine Harfinistin, die sich standhaft gegen „lärmende“ Hornbläser und peruanische Flötenspieler behauptete. „Die Leute hören trotzdem zu“, meinte sie neben ihrem zartklingenden Instrument gelassen.
Auch bei der heißen Salsa-Sause im Burggraben blieben die Zuhörer trotz Sardinendosen-Gefühl entspannt: „Warm ist es ja sowieso, da macht die Enge auch nichts mehr aus“, sagte die Schwabacherin Heike Meier – und tanzte beigeistert weiter. Wer noch europäisch steif in den Beinen war, gönnte sich ein paar der hervorragenden Caipirinhas, dann gelang der kesse Hüftschwung, den kubanische Sängerin „Mayra“ vorgemacht hatte, gleich besser. Die Veranstalter haben auch bei der 24. Auflage noch dazugelernt: Mit gedrehter Bühne und der Technik-Turm, der nah an der Burgmauer steht, schafften sie noch mehr Platz.
Der „neue“ Sebalder Platz entpuppte sich zwar als zuschauerfreundlich, doch wer dort den rasanten Zigeunerklängen von „Taraf de Haidouks“ und anderen lauschte, mußte wüstentauglich sein: Brütende Hitze und weit und breit kein schattenspendender Baum. Entsprechend lang wurden die Schlangen an den Getränkeständen.
Hitzefrei gab’s auch nicht am Lorenzer Platz, wo sich die Massen zwischen Baukran und Toiletten-Häuschen drängelten. Dort gastierten diesmal die ruhigeren Barden, während im Tunnel am Tiergärtner Tor wie immer die Trommler für Sound und Verstopfung sorgten.
Und das bis spät in die Nacht: Dass das Liedermacher-Wochenende nicht nur ein durchorganisiertes Festival, sondern vor allem ein Treffpunkt für Musikbegeisterte aus aller Welt ist, zeigt der Rummel in den Altstadtgassen. Und auch ohne Bühne geht die Post ab: Am Café „Ruhestörung“ tobte der Bär genauso wie vor anderen Kneipen – beim Bardentreffen findet fast jeder Gehör, der Töne von sich gibt.
Katharina Erlenwein






















