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Feuchtes Festival-Finale

Zwischen Wiener Schmäh und Nürnberger Nostalgie: Die Abschlusskonzerte des 25. Bardentreffens

„Singing in the rain“: Das 25. Nürnberger Bardentreffen endete, wie es begonnen hatte – im strömenden Regen. Musikalische Wechselbäder gab es bis zum Schluss, und das Publikum trotzte dem Wetter mit erstaunlicher Gemütsruhe.

„Nie vergess’ ich wie es war, all die Jahre. . .“, heißt es in einem alten Song von „Ihre Kinder“. Das hätte auch das Motto für den einmaligen Auftritt der Nürnberger Rock-Legende „Ihre Kinder“ sein können. Gemeinsame Erinnerungen verbinden, und mancher Alt-Fan bekam im Burggraben neben nassen Füssen auch feuchte Augen. Die Stimmung schwankte zwischen „Kinder“-Geburtstag und Klassentreffen, die Musik offenbarte die Höhen und Tiefen der kurzen Band-Karriere, die vor dreißig Jahren vielversprechend begonnen hatte.

Ernst Schultz und Sonny Hennig hatten sich eine Menge „Kinder“-Überraschungen einfallen lassen: Nie klang die Band abwechslungsreicher und packender als in dieser Riesenbesetzung mit vielen Gastmusikern, darunter die Gitarristen Keili Keilhofer und Holger Stamm, Counter-Tenor Johannes Reichert, Sänger Rudi Madsius und Saxophonist Udo Schwendler; besonders Ernst Schultz war enorm in Form. Das Repertoire umfasste „Kinder“-Lieder (von „Mondfrau“ bis „Kalenderblatt“) und Cover-Versionen (von Aznavour bis Dylan). Ein kurioses Konzert: „Ihre Kinder“ sind ja eigentlich längst ein abgeschlossenes Musik-Kapitel.

Die bretonischen Folk-Rock-Klassiker „Tri Yann“ feiern demnächst ebenfalls ihr dreißigjähriges Bühnenjubiläum, aber sie sind ununterbrochen im Geschäft und immer noch auf der Höhe der Zeit. Bei der Nürnberg-Premiere auf der Insel Schütt zeigte sich die Band von der besten Seite. Mehrstimmiger Gesang, ideenreiche Arrangements und wilde Kostüme sind die Markenzeichen von „Tri Yann“. Eine Entdeckung ist die junge Sängerin Bleunwenn Mevel. Ein starker Auftritt

Die ganze schmachtende Todes-Sehnsucht der Wiener machte sich auf der Bühne der Katharinenruine breit: zuerst mit Arik Brauer, dann mit den „Extremschrammeln“. Doch selten wurde über den Tod so geschmunzelt wie an diesem nassen Abend.

Wenn man Arik Brauer zuhört, der mit blitzendem Charme seinen Weg ins Jenseits beschreibt, scheint der Tod doch eine amüsante Alternative: Am Himmelstor bietet ihm der Hausmeister einen schwarzen und einen roten Farbtopf an, unentschlossen landet er im Fegefeuer. Da werden dann Faschisten in die Waschmaschine gelegt und andere Reinigungs-Rituale vollzogen. Brauers Fazit: „Als a Toter hat ma im Lebn erst sei Freid“.

Der agile 70-Jährige hat seine Fangemeinde auch in Nürnberg, und bei den Zugaben zu seinem witzigen Streifzug durch die Wiener Befindlichkeit werden die alten Gassenhauer gefordert – bis zum Abschluss mit „Sie ham a Haus baut“. Schwiegersohn Elias Meiri am Klavier stahlt mit dem singenden Maler um die Wette, bessere Laune bei einem Abschlusskonzert ist kaum zu kriegen.

Die Wien-Begeisterung mussten die „Extremschrammeln“ rund um Roland Neuwirth erst wieder mühsam anfachen, denn Gewitterschauer ließen jede Illusion vom lauen Abend beim Heurigen verblassen. „Der Petrus is a alter Leisgänger“, stellte Neuwirth fest. Schräg bis zum Jaulen der Geigen intonierten die „Extremschrammeln“ ihre extreme Mischung aus Wienerlied und Blues.

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