
Im südserbischen Guca findet alljährlich im August ein Blasmusikfestival der anderen Art statt – ein Wettstreit, an dem bis zu 400 Bands vor 300.000 Musikbegeisterten und unter dem strengen Blick einer Jury gegeneinander antreten. Gagen werden nicht bezahlt. Der erste Preis, die begehrte Goldene Trompete, dient als Karrieresprungbrett und sichert dem Sieger einträgliche Auftritte und Ruhm.
Seit vier Jahren in Folge haben sich Boban Markovic und sein Orkestar mit ihrem temperamentgeladenen Blasmusikinferno gegen jede Konkurrenz behauptet und diesen "Blechmusik-Oscar" in allen Kategorien gewonnen. Die rasenden Trompeter des Balkans sind allesamt Vollblut-Roma, die auf ihrer Wanderung aus Indien in Richtung Europa die unterschiedlichsten kulturellen Einflüsse in ihre Musik integriert haben. Vor allem die osmanische Militärmusik des 19. Jahrhunderts ist eindringlich zu spüren. Sie kommt ganz ohne soldatische Gespreiztheit aus und wird mit beinahe anarchischer Lebensfreude in eine ungeheuer energiegeladene Tanzmusik verwandelt. Wer eine Spur genauer hinhört, der wird auch Parallelen zum New-Orleans-Jazz und zu Mariachiklängen aus der mexikanischen Fiesta-Tradition entdecken. Etwas Tumult muss man schon mögen, denn dröges Unisono in aller Harmonie oder und im Spaziertempo wird man bei dem rasanten Boban Markovic Orkestar kaum erleben. Gestochene Trompetentöne bohren sich frech ins Trommelfell, bringen die eingerosteten Gliedmaßen und das Blut unwillkürlich in Wallung.
Auch außerhalb des Balkans ist das Boban Markovic Orkestar inzwischen in aller Ohren. 1995 engagierte der Regisseur Emir Kusturica die Truppe für die Filmmusik zu seinem dreistündigen Filmepos "Underground". Kusturica gewann mit dem Streifen die Goldene Palme in Cannes und der irrwitzige Soundtrack erlangte Kultstatus.