Das Land, aus dem Heidi und die beste Schoki der Welt kommt, bildet den Schwerpunkt des 34. Bardentreffens, das am Freitag beginnt und bis Sonntag die Innenstadt verzaubern soll. NZ-Redakteurin Claudia Urbasek hat mit Karl-Heinz „Charly“ Fischer gesprochen. Er ist der Mann, der seit knapp 20 Jahren das Programm für das Musikfest zusammenstellt.
NZ: Herr Fischer, können Sie mir drei Gründe sagen, warum man am Wochenende zum Bardentreffen gehen sollte?
Fischer: Der erste Grund ist, weil man immer jemanden trifft, den man kennt. Der zweite ist, weil man feststellen will, ob die Alphörner der Schweizer wirklich so lang sind. Und der dritte ist, weil es einfach wunderbar ist, nach dem Baden (oder auch bei Regen) Musik zu hören – vor allem Musik, die man noch nicht kennt.
NZ: Sie haben in diesem Jahr den Schwerpunkt Schweiz gesetzt. Warum? Wollten Sie das Fest entschleunigen?
Fischer: Also, der Schweizer spielt nicht langsamer als der Rest der Welt. Das sagt man nur den Bernern nach, aber es gibt ja die italienisch- und französisch-sprachige Schweiz, zehn Prozent der Bevölkerung kommen aus anderen Nationen. Die Schweiz hat mittlerweile die größte Techno-Parade der Welt, und die ist sicher nicht langsam. Außerdem hat sie ein riesengroßes Samba-Festival – sehr viel größer als das hier in Coburg. Die Schweiz haben wir gewählt, weil man so wenig darüber weiß – vor allen Dingen in musikalischer Hinsicht, mal abgesehen von Vorurteilen, die DJ Bobo oder Jodeln heißen.
NZ: Wo wir gerade bei der Musik sind – wie lautet Ihr Geheimtipp fürs Bardentreffen?
Fischer: Der ist so geheim, dass ich ihn gar nicht verrate (lacht) … Was sehr interessant ist, sind „5/8erl in Ehr’n“ (Sonntag, 16.30 Uhr im Kreuzigungshof, Anm. d. Red.). Das sind junge Österreicher, die alte Lieder spielen. Sie interpretieren Lieder von Hans Moser und Peter Alexander völlig neu. Ich denke, das kann sehr spannend werden, wie eine junge Generation mit traditioneller Musik umgeht. Interessant werden auch Fatima Spar and the Freedom Fries sein, die vor Anne Clark spielen (Sonntag, 19.15 Uhr, Insel Schütt, Anm. d. Red.).
NZ: Hinter so einem Ereignis steht ja sicher eine Menge Planung. Wann fangen Sie an, das nächste Bardentreffen zu organisieren?
Fischer: Es ist wie beim Fußball – nach dem Bardentreffen ist vor dem Bardentreffen. Manche Dinge klären wir jetzt schon – Bands, die weltweit unterwegs sind, buchen teilweise bereits jetzt ihre Flüge für nächsten Sommer. Im Herbst geht es dann richtig los. Ich sichte dann erstmal das Material – wir bekommen ja viel von Musikagenturen gesandt und erhalten E-Mails aus aller Welt. Das sind im Herbst/Winter so 300 Stück am Tag.
NZ: Wonach wählen Sie dann aus?
Fischer: Man hört sich das an, guckt: Ist es was Neues, ist es gut und innovativ oder zum 100. Mal die „Seeräuber Jenny“. Und es sollte ins Profil passen. Es sollten auf jeden Fall eigene und gesungene Sachen sein. Gut passen auch Sachen aus der Welt- und Folkmusik. Man sucht natürlich auch was, was zum Schwerpunkt passt. Es gibt auch Teile, die machen andere: Der Bayerische Rundfunk kümmert sich um das Kinderprogramm, die Musikzentrale um die regionalen Künstler.
NZ: Haben Sie denn schon entschieden, wie der Schwerpunkt fürs nächste Jahr lautet?
Fischer: Ja, das wird 175 Jahre erste deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth sein.
NZ: Die Eisenbahn??? Wie muss ich mir das musikalisch vorstellen?
Fischer: Das ist die Rätselaufgabe…
NZ: Es werden viel Tuten- und Dampflokgeräusche darin vorkommen, nehme ich an?
Fischer: Da gibt es schon ein bisschen mehr. Dieses Fortbewegungsmittel kommt in so vielen Songs vor: zum Beispiel „When the train leaves the station“ von den Rolling Stones oder alte Bluesnummern. Oder es gibt von Reinhard Mey ein wunderbares Acht-Minuten-Lied zur Geschichte der Eisenbahn … auch wenn das bei uns vielleicht nicht funktioniert. Man muss eben etwas einfallsreich sein.
NZ: Gibt es Bands, die schon seit Jahren dabei sind?
Fischer: Nein. Ziel ist, neue Bands bekanntzumachen. Außer vielleicht bei regionalen Bands, da kann es schon mal vorkommen, dass die dreimal dabei sind.
NZ: Im vergangenen Jahr waren fast mehr Besucher da, als ihnen lieb sein konnte. Wie verhindern Sie, dass die Stadt, gerade bei schönem Wetter, aus allen Nähten platzt?
Fischer: Also, es war ja im vergangenen Jahr nur eine halbe Stunde lang am Samstag drückender. Das lag wohl auch an den Leningrad Cowboys, weil da viele Leute kamen, nicht nur, um Musik zu hören, sondern um diese Celebrities zu sehen. Dem haben wir in diesem Jahr mit dem Schweizer Thema programmatisch entgegengewirkt – da ist niemand mit so einer Zugkraft dabei. Ich denke, es wird sich alles gut verteilen.
NZ: Gibt es ein Accessoire, das die Besucher unbedingt mitbringen sollten?
Fischer: Ihre Alphörner natürlich!