Im Weltmusik-Gewusel des FestiÂvals fielen drei Konzerte aus dem RahÂmen, die mehr als der Zufall verbinÂdet: Heinz Rudolf Kunze, Purple Schulz und Klaus „Major“ Heuser hatÂten ihre größten Erfolge in der deutÂschen Pop-Szene der 80er Jahre.

Pop-Poet Heinz Rudolf Kunze lief mit seiner hervorragenden Rockband zu großer Form auf. Foto: Karlheinz Daut
1981 hinterließ beim Bardentreffen ein unbekannter Sänger mit Brille und Durchblick für nachhaltigen EinÂdruck: Heinz Rudolf Kunze, längst als feste Größe etabliert, war seitdem insÂgesamt fünf Mal zu Gast beim FestiÂval. Noch nie konnte er in Nürnberg vor so großer Kulisse spielen wie dieÂses Mal. Der Hauptmarkt war propÂpenvoll, als Kunze seine musikalische Werkschau zum Besten gab. Nach kurÂzen Anlaufschwierigkeiten auf Grund stimmlicher Probleme nutzten der Sänger und seine hervorragende RockÂband die „Gunst der Stunde“ — so der Titel des aktuellen Albums — und lieÂfen zu großer Form auf.
Kunze präsentierte neue Songs, ließ aber auch die alten Hits nicht aus: Besonders stark fielen das UnplugÂged- Set in der Mitte und das mitreiÂßende Finale mit den Cover-VersioÂnen von den Kinks („Lola“) und StaÂtus Quo („Was immer du willst“) aus.

Sein Kollege Purple Schulz hatte dagegen mit SoundprobleÂmen und Kirchenglocken zu kämpfen. Foto: Eduard Weigert
Auch Purple Schulz hat schon mal „Gemeinsame Sache“ mit Kunze geÂmacht. Der Kölner Sänger hatte mit seinem Quartett auf dem Sebalder Platz leider Pech: Zehn Minuten lang stahlen ihnen die dröhnenden KirÂchenglocken die Show, außerdem gab es immer wieder Soundprobleme. Die Folgen waren ein sichtlich nervöser Künstler und ein Konzert, das mehr einem Probenauftritt glich. Dabei ist Purple Schulz noch immer ein guter Sänger und seine Mitstreiter — darunÂter sein Sohn Dominik — über jeden Verdacht erhaben. So richtig zünden wollten die neu arrangierten PopÂsongs an diesem Abend aber nicht.

Der ehemalige BAP-Gitarrist Klaus „Major“ Heuser (mit Hut) und sein Partner Richard Bargel überzeugten mit energiegeladenem Blues-Rock. Foto: Eduard Weigert
Rumpelnder Blues-Rock
Dagegen überzeugte danach der Auftritt der Kölner Kollegen Richard Bargel und Klaus „Major“ Heuser umso mehr. Die beiden Gitarristen machen keine Experimente, sondern setzen auf rumpelnden Blues-Rock der urigen Sorte — und englische SpraÂche. Angetrieben von einer stampfenÂden Rhythmusgruppe nehmen sich der ehemalige BAP-Gitarrist und sein baumlanger Partner viel Zeit für launige Ansagen und energiegeladene Improvisationen. Das alles hat man bei Ry Cooder oder Taj Mahal so ähnÂlich gehört, aber selten so stimmig und stimmungsvoll.
radl, Nürnberger Nachrichten