Ein Jesus-Freak? Nein, wohl eher nicht. Auch wenn Nano Stern mit seinen losen schwarzen Jeans, den langen dunkelblonden Haaren und – natürlich! – dem Bart durchaus so wirkt. Und dazu beim Singen den Kopf gern nach hinten legt und vehement die Augen schließt – wie vor Schmerz, weil man ihn gerade aufs Kreuz schlägt.

Barde und Kämpfer gegen das Unrecht: Sänger Nano Stern aus Chile. Foto: Harald Sippel
Mit seinen 25 Jahren ist der chileÂnische Sänger und Songwriter Nano Stern bereits ein gefragter Mann. „Gestern spielte ich in EstÂland, morgen in London“, erklärt er am Trödelmarkt, auf dem sich die Zuhörer begeistert drängen. Ein Barde eben, wie fürs Bardentreffen gemacht: Stimme, Gitarre, GeÂsinnung – mehr braucht es nicht.
Dass Stern durch die Tournee nicht in seiner Heimatstadt SantiÂago sein kann, tut ihm fast weh. „Eigentlich müsste ich dort sein und für meine Leute singen.“ Denn auch in Chile gehen die Wutbürger auf die Straße. 400000 waren es vor kurzem, die ihren Unmut äußerten. Sterns Vorbild ist der berühmte SänÂger Victor Jara: ein Mordopfer der Pinochet-Diktatur. „Meine Hände sind das einzige, was ich besitze“, hatte der kämpferische Jara einst gesungen. Ein Lied, das auch Stern singt – und dazu erzählt, dass man der Leiche Jaras die Hände demonsÂtrativ abgehackt hat.
Eines seiner eigenen Lieder, „Die Flammen der Ohnmacht“, erinnert an ein Gefängnisdrama, bei dem mehr als 80 Häftlinge verbrannten – während gleichzeitig 33 BergarbeiÂter vor den Kameras der Welt geretÂtet wurden. Und auch der IndianerÂstamm der Mapuche liegt Stern am Herzen: „Früher haben sie gegen die spanischen Eroberer gekämpft, heute kämpfen sie gegen die chileniÂsche Regierung. Alles die gleiche Scheiße!“ In einer ihrer Legenden streiten sich die (männliche) Sonne und der (weibliche) Mond, bis bei beiden die Tränen fließen: die dann im Boden Gold und Silber bilden …
So poetisch und kreativ können Paarkrisen sein!
Wolf Ebersberger, Nürnberger Zeitung