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Mehr als nur Heidi

Das trifft sich doch wunderbar: Am 1. August feiert die Schweiz ihren Nationalfeiertag. Das, sollte man meinen, ist Grund genug für die in Nürnberg und Umgebung lebenden Schweizer, das 34. Nürnberger Bardentreffen, bei dem das Alpenland Schwerpunkt ist, als große Partymeile zu nutzen. Doch weit gefehlt: «Die meisten von uns sind gar nicht hier, sondern zu Hause«, sagt Vreni Fenske-Gmür, Vorsitzende des Schweizer Vereins Nürnberg. Die 63-Jährige findet das zwar jammerschade, doch in ihrer Heimat wird der 1. August mit großen Festen begangen, Höhenfeuer erleuchten die Berglandschaft. «Da bietet sich ein unglaubliches Bild«, erzählt sie.
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Bühne frei für das Bardentreffen: Schon am Eröffnungsabend lockte das Festival bei angenehmen Temperaturen die Besuchermassen auf den Hauptmarkt. Foto: Günter Distler

Dass sich ihr Land bei so einem großen Festival wie dem Bardentreffen präsentieren kann, freut Fenske-Gmür, die seit über 40 Jahren in Nürnberg lebt, natürlich ungemein. «Die Schweiz findet hierzulande ja viel zu wenig statt und wird unterschätzt«, findet sie, gibt aber zu, dass ein wenig auch ihre zurückhaltenden Landsleute selbst dazu beitragen. «Wir sind aber mehr als das Heidi-Land. Ein Staat mit allen Vor- und Nachteilen eben.«

Von wegen Sturheit

Dass viele kopfschüttelnd auf die eigenwilligen Schweizer blicken, bei denen scheinbar immer alles ein wenig länger dauert und die angeblich so gerne politisch blockieren, erklärt sie mit der Staatsform: «Durch die direkte Demokratie und die Volksabstimmungen brauchen viele Entscheidungen eben ihre Zeit.« Will sagen: Mit Sturheit hat das nichts zu tun.

Festivalleiter Karl-Heinz «Charly« Fischer kann das nur bestätigen: Er hat bei der Zusammenarbeit mit den Schweizern keine Kompliziertheit bemerken können, im Gegenteil: «Alles hat bestens geklappt, die Künstler, die ich angefragt habe, haben auch sofort alle ja gesagt.« Immerhin seien beispielsweise «Patent Ochsner« in ihrer Heimat Stars, die durchaus 50.000 zahlende Fans anziehen.

«Etwas noch Versteckteres«

Charly Fischer verbindet mit der Wahl seines Gastlandes natürlich immer auch eine Mission: Die Musikszene des jeweiligen Landes möglichst breit abzubilden. «Wir haben uns gedacht, nach Finnland im vergangenen Jahr nehmen wir heuer etwas noch Versteckteres.« Er will den Beweis antreten, dass die Schweiz mehr zu bieten hat als das Elektropop-Duo Yello, Chansonnier Stephan Eicher, DJ Bobo oder die Hardrocker von Gotthard.

Nun bringen er und sein Team also die unterschiedlichsten Sänger und Gruppen aus dem vielsprachigen Helvetia nach Nürnberg. Etwa in Gestalt von Sängerin Sophie Hunger, die beim Soundcheck am gestrigen Nachmittag auf dem Hauptmarkt mühelos auf Französisch, Schwyzerdütsch und Englisch parliert. Vom Massenandrang, der die Stadt am Wochenende bei prognostizierten 28 Grad überrollen wird, ist noch nichts zu spüren.

Ansehliche Kuhle

«Es haben sich allerdings erste Schweizer Löcher aufgetan«, lacht Charly Fischer. Auf dem Hauptmarkt hatte sich über einem unterirdischen Gewölbe eine ansehnliche Kuhle abgesenkt, was im Team Vergleiche zur Löchrigkeit von Schweizer Käse provozierte. Doch natürlich gibt es Entwarnung: Alles repariert, keine Gefahr für die Besucher.

Und dann schlendert er doch vorbei, der eingefleischte Fan des Landes der Eidgenossen – in Gestalt einer Dame mit einer Tasche über der Schulter, die mit der Schweizer Flagge bedruckt ist. «Nein, das ist reiner Zufall«, klärt Karin Medinger (41) aus Nürnberg schmunzelnd auf. Sie hat das Accessoire soeben erst erworben: «Aber meine Tochter Pauline und ich werden am Wochenende natürlich im Partnerlook über das Festival laufen.« Ein Programmpunkt steht schon fest: Am Sonntag will die Familie unbedingt Eliana Burki und ihr Alphorn auf dem Hauptmarkt sehen. Die Musikerin muss ihr meterlanges Instrument übrigens nicht in einem Stück transportieren: Es ist zerlegbar.

Mit der ganzen Familie angereist

Und so sind alle Weichen gestellt für ein hoffentlich entspanntes Wochenende, das übrigens auch auf die Künstler einen besonderen Reiz ausübt. Der Liedermacher Pippo Pollina reist mit seiner ganzen Familie an und hat bei Fischer angefragt, ob er seinen Hotelaufenthalt auf eigene Kosten verlängern kann, um das Festival nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne zu erleben.

Solche Aussagen gehen bei Fischer, der in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum als federführender Leiter des Musikmarathons feiert, natürlich runter wie Öl. Der Zuspruch des Publikums spricht ohnehin für sich selbst: Das dreitägige Umsonst-und-Draußen-Fest ist ein Selbstläufer: Über 200.000 Menschen werden erwartet.

Hauptsache die Atmosphäre stimmt

Und so schade es für die Schweiz ist: Für viele Besucher ist es ziemlich egal, welches Gastland beim Bardentreffen im Mittelpunkt steht. Hauptsache, die Atmosphäre stimmt, geben die meisten zu Protokoll. Treffender als der 46-jährige Klaus Zips aus Hof kann man das Motto für das anstehende Wochenende wohl kaum beschreiben: «Man geht einfach da hin, wo man mit dem Ohr hängen bleibt.«

Susanne Helmer

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